Die Megatrends unserer Zeit und ihre Auswirkung auf Unternehmen

Die Megatrends unserer Zeit und ihre Auswirkung auf Unternehmen

Wir haben es alle mittlerweile begriffen: Digitalisierung bedeutet nicht online. Der digitale Wandel umfasst neben der technologischen Entwicklung – die neue Produkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle ermöglicht – vor allem eine Veränderung des Betriebssystems in Unternehmen. Doch was bedeutet dies genau?

Aus den parallel verlaufenden Entwicklungen unserer Zeit, beleuchten wir vier ausgewählte Megatrends, die den Veränderungsdruck in Unternehmen teils erhöhen, teils bremsen:

1. Technologische Entwicklungen

Die technologische Entwicklung ist ein Treiber, der die Nutzererwartung und das Kaufverhalten der Kunden sowie die Geschäftsmodelle für Unternehmen deutlich erweitert und die Markteintrittsschranken für neue Wettbewerber drastisch senkt. Die Wissensgesellschaft, die immer stärker wachsende Kreativökonomie und die von freemium- und sharing-Angeboten angereicherte Plattformökonomie sind auf dem Vormarsch. Die zunehmenden digitalen Angebote bieten den Teilnehmern dieser Ökonomie ungeahnte Möglichkeiten: datenbasiert erhalten sie individualisierte, passgenaue Angebote, sie können ihr ökonomisches Handeln mit Leichtigkeit dezentralisieren und gleichzeitig durch Vernetzung ganz neue persönliche und berufliche Kontexte schaffen. Aus diesen Möglichkeiten werden Erfahrungen und schließlich Erwartungen, die sie als Kunden und als Mitarbeiter in die Unternehmen tragen. Die Unternehmen müssen daraufhin neue Angebote entwickeln, mit denen sie die Erwartungen ihrer Kunden und – in Zeiten von Vollbeschäftigung und demographischem Wandel – ihrer Mitarbeiter erfüllen.

2. Wirtschaftliches Wachstum

Das derzeit immer noch sehr gute wirtschaftliche Wachstum in der DACH-Region beschert den Unternehmen volle Auftragsbücher. Ein Wandel hin zu neuen, agilen Arbeitsformen scheint aus dieser Perspektive daher nicht unbedingt notwendig. Sicher ist, dass ein größerer wirtschaftlicher Druck den notwendigen Veränderungen ein höheres Umsetzungstempo bescheren würde.

Einige Unternehmen spüren gleichwohl die wachsende Macht technologie- und datengetriebener Mitbewerber.  In der vernetzten, digitalen Welt drehen sich die Entwicklungen immer schneller und erfordern zur Weiterentwicklung des Unternehmens die Einbindung eines weit umfassenderen Know How- und Brainpools als bisher: Das Potential, das Geschäftsführung und Führungskräfte mitbringen, reicht für diese Aufgabe nicht mehr aus. Hier gilt es für die Unternehmen, Methoden zu implementieren mit denen sie das Know How sowohl der Mitarbeiter als auch neuer externer Partner viel systematischer zur Weiterentwicklung des Unternehmens einbeziehen.

3. Gesellschaftliche Entwicklungen

Informationstransparenz, Selbstbestimmung und Abbau von Hierarchien sind nur drei Konstanten des gesellschaftlichen Wandels, die sich seit dem Ende des Weltkriegs, spätestens seit den 68-er Jahren immer stärker durchsetzen. Hierbei wirkt die Digitalisierung der letzten Jahre als Katalysator. Die genannten drei Elemente werden in zunehmendem Maße auch vom Arbeitgeber gefordert. Es ist anachronistisch, wenn Mitarbeiter per Twitter mit dem Papst, der Bundesregierung und sogar den Berliner Verkehrsbetrieben kommunizieren können, jedoch erst ihre Vorgesetzten fragen müssen, ob sie ihre Ideen dem Bereichsleiter oder der Geschäftsführung vorstellen dürfen, um dann womöglich noch Wochen auf einen Termin mit selbiger Person zu warten. Digitale, offene Kommunikationskanäle, die eine schnelle und hierarchiefreie Kommunikation ermöglichen, müssen in Unternehmen flächendeckend Einzug halten, Informationen wesentlich einfacher zugänglich gemacht und die Selbstbestimmung in der Arbeit deutlich ausgebaut werden.

4. Der demographische Wandel

Der War for Talent, der vor über zehn Jahren angefangen hat, hat sich zum War for Everyone ausgewachsen. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sehen 61% der deutschen Unternehmen den Fachkräftemangel bereits heute als großes Risiko. Die demographische Entwicklung wird diesen Zustand noch kritischer werden lassen. Hinzu kommt, dass wir die Profile, die wir derzeit benötigen – Programmierer, Datenanalysten, User Experience- und User Interface Designer, Mixed Reality Architekten usw. – derzeit in unseren Schulen, Ausbildungs- und Studienprogrammen noch gar nicht ausbilden. Der Mangel an Arbeitnehmern und digitalen Talenten wird dazu führen, dass wir uns in einigen Bereichen schnell digitale Lösungen ausdenken müssen, um bestimmte Prozessschritte in unseren Wertschöpfungsketten weiterhin abbilden zu können. Somit wird der demographische Wandel das Rad der Digitalisierung in Unternehmen noch schneller drehen als vielerorts geplant. Unternehmen müssen diese „Versorgungslücke“ schließen, indem sie eigene (digitale) Lösungen entwickeln – ggfs. gemeinsam mit den Mitbewerbern.

Die oben skizzierten Megatrends haben somit teils implizit, teils sehr explizit Auswirkung auf die Erwartungen und Anforderungen der Kunden und Mitarbeiter an Unternehmen. Die veränderten Anforderungen wirken sich teils schleichend, teils offensichtlich auf die Sekundärorganisation (durch Veränderung der Arbeitsmethoden, Kommunikation und Zusammenarbeit) aus, um dann unweigerlich auch die Primärorganisation zu verändern (durch die notwendige Anpassung der Rollen/Aufgaben der Mitarbeiter und der Struktur der Organisation).

Unternehmen, die sich auf den Weg machen und über die für sie passenden Veränderungen nachdenken, starten in einem ersten Schritt mit einer Rückbesinnung auf den Kern ihres Bestehens und beantworten folgende drei Fragen: 1. Warum tun wir das, was wir tun? 2. Wie tun wir das, was wir tun? 3. Was tun wir? Erst müssen Unternehmen den Kern ihrer Existenz (“Warum tun wir etwas?”) wieder deutlich herausarbeiten. Dann gilt es zu überlegen, wie sie dieses “Warum” und das “Wie” mit den neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet und unter Einbeziehung der oben skizzierten Megatrends neu gestalten können. Aus der Kombination dieser Faktoren ergibt sich dann der Weg für die notwendige Neugestaltung des Betriebssystems im Unternehmen.

Autorin: Birte Gall